Über Petra Muthmann

Nur Mut, Mut(h)mann!

Schon von Kindesbeinen an war mir klar, dass ich irgendwie „anders“ war. Mit 7 Jahren diagnostizierte der Hausarzt eine „Übersinnlichkeit“ und meinte, früher wurden Hexen deshalb verfolgt, ich könne also froh sein, dass ich jetzt lebe. Ich spürte Vieles schneller. Meine Gedanken waren meist irgendwie „beflügelt“ und fantasievoll. Ich war flink und durfte während des Unterrichts stricken, damit ich nicht ständig schwätzte oder sonst einen Unfug machte. Statt Mutter-Vater-Kind zu spielen, spielte ich lieber Cowboy und Indianer, malte, bastelte und kletterte auf Bäume.
Verstärkt wurde das Ausleben meines Bewegungsdranges durch meine „Leichtathletik-Zeit“.

Im Alter von 7 Jahren wurde ich bei den Bundesjugendspielen entdeckt, und der Sportplatz wurde mein zweites Zuhause. Wenn ich nicht rannte oder sprang, war ich in der Natur, am liebsten am Chiemsee oder in den Wäldern, und suchte mit meinem Vater Pilze. In unserer Familie waren Förster, Jäger oder Hobbyfischer und wir waren sehr naturverbunden.

Ich war anders…

…..und dennoch litt ich nicht darunter, denn ich tat alles, was mich interessierte mit Begeisterung. Und mich interessierte vieles. Mein Spitzname war damals „Muthmännchen“, denn man hatte Probleme zu erkennen, wer sich hinter dem typischen Pilzkopfschnitt der 70-ger befand, Junge oder Mädchen. Doch ich fand es witzig. Überhaupt empfinde ich meine Kindheit im Chiemgau rückblickend als paradiesisch.
Die Pubertät kam wie ein Paukenschlag. Mein Körper, meine Haare, alles veränderte sich rasant. Und die Jungs, mit denen ich vorher in den Wäldern Indianer spielte, sahen in mir eine ganz andere Person. Diese neue Person war zwar genauso naturliebend, wild und unangepasst, nur in einem Frauenkörper. Junk-Food interessierte mich nicht, dafür kochte meine Mutter zu gut. „Kalorien“, waren etwas völlig Fremdes. Ich fand mich irgendwann mit meinen weiblichen Kurven ab. Die Natürlichkeit war für mich dabei immer das Allerwichtigste. Der schminklose Nude- Look wurde von mir gelebt, bevor er „en vogue“ wurde. Auch heute noch schminke ich mich eher dezent und selten.

Nach meinem Abitur, meinem Studium der Betriebswirtschaft und den ersten Lehrjahren in der EDV-Branche rief mich die große weite Welt. Ich musste raus, um über den Tellerrand Oberbayerns hinweg zu sehen. Nach einiger Zeit befand ich mich der Liebe wegen in Paris, fast wie in einen Kitschroman. Die Zeit dort beeinflusste vieles in meinem Leben, und manchmal kam ich mir mehr vor wie eine Französin als eine Deutsche. Doch es gab kein Kitsch-Happy end. Ich entschied mich gegen die von meinem Partner festgelegten Zukunftsperspektiven und ging zurück nach München. Im Vergleich zu Paris erschien es mir damals wie eine beschauliche Kleinstadt. Doch die Natur, die ich sehr vermisst hatte, gab mir mehr als jedes „Frau- eines-Staranwaltes- Jet-Set- Leben“ in Paris.

Mit Anfang 30 wusste ich, dass es nun allerhöchste Zeit war, den Beruf zu finden, der mich wirklich begeisterte und meinen Neigungen entsprach. Die Familienoption als Möglichkeit der Zukunftsplanung kam ins bewusst ins Hintertreffen. Eine typische Karrierefrau, die alles für den Job aufgibt, das wollte ich nicht werden. Eher suchte ich eine gesunde Balance zwischen Beruf und Freizeit.
Dann entdeckte ich auf einer Messe in Paris die Firma „Mangas“, die Partner in Europa suchte. Zunächst wollte ich einen geeigneten Partner finden, wollte es dann aber selbst machen, denn Männer besser einzukleiden fand ich etwas Wunderbares. Ich gründete mit meinem ehemaligen Studienfreund laus Bohrer 1996 die Mangas München GmbH.
Seit diesem Zeitpunkt dreht sich in meinem Leben sehr viel um Qualität und Kleidung. Ich kann meinen Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, sie zu beraten und zu begeistern, voll ausleben und dabei in tollen Materialien und Farben „schwelgen“. Von Anfang an kam unser Konzept an, wir trafen den Puls der Zeit.

Dann kam der Börsencrash.

Die Zeiten änderten sich und parallel das Kaufverhalten der Menschen. Qualität war nicht mehr Trumpf. Die Leute kauften Schnäppchen und davon viel zu viel. Ich wurde nachdenklich, weil ich wusste, es ist der falsche Weg, gerade was Nachhaltigkeit betraf. Werte wie dieser waren mir immer wichtig, meine Herkunft hatte mich dahingehend sehr geprägt. Viele meiner Geschäftsbesucher verloren das Vertrauen in die Textilindustrie und sagten, dass selbst die teuren Marken in Billiglohnländern fertigen. Ich wusste, dass sie recht hatten. Auch ich bekam ständig Angebote von Herstellern aus Asien, um noch günstiger zu produzieren. Ich lehnte ab, denn für mich war unabdingbar, dass alle am Produktionsprozess Beteiligten faire Arbeitsbedingungen und Löhne erhielten. Das ist bei all meinen Herstellern der Fall, die ich vertrete, es ist meine Basis für Zusammenarbeit.

Es kann nicht sein, dass der Verkaufspreis das einzige Kaufargument ist. Das kann nur zu Lasten der Qualität und des Service gehen und beides ist mein Hauptanliegen. Alles, was mit Achtsamkeit geschieht, ohne vorrangige Profitgedanken, wertschätzt man mehr, und wird anders wahrgenommen.
In mein neues Geschäft mit mehr Platzangebot für den Kunden, als einen „Ort der Entschleunigung“, kommen anders denkende Menschen, die mehr Werte suchen. Das Vertrauen zu mir und meinen Produkten wuchs, und so holten sie sich auch den ein oder anderen Rat. Ich wurde mehr und mehr Expertin für das Wohlbefinden, viel mehr als das einer Modemacherin. Zumal meine Maßkleidung jahrelang tragbar sein soll und eher eine Wertanlage als ein „Klamotte“. Um diese Kleidung zu tragen, sollte man sich in seinem Körper wohl fühlen. Doch viele haben damit so ihre Schwierigkeiten und fragen mich immer wieder, wie ich es denn schaffe, meinen Körper so fit zu halten. Ich gebe nun gerne mein Wissen und meine Empfehlungen weiter, denn ich halte es für eine wichtige Aufgabe.

München verdichtete sich in den letzten Jahren stark. Ich zog aufs Land, um mein Leben konsequent so zu gestalten, wie es für mich gut ist. Die Natur im 5-Seen-Land verstärkt mein Wohlbefindenden enorm.
Der Bereich Movement ist eine logische Konsequenz. Jenseits von allen Produkten, die ich kreiere, verkaufe oder empfehle, ist die Bewegung ein wichtiges Thema. So mache ich Veranstaltungen, um mit Menschen in der Natur zusammen zu sein und sich in gegenseitiger Wertschätzung kennenzulernen.

Mein Wunsch ist, die Zufriedenheit der Menschen zu steigern, sie mit neuer (Lebens) Qualität zu bereichern und zu motivieren. Denn das bin ich schon seit vielen Jahren, in Achtsamkeit mit der Natur und mit Neugierde auf das Morgen.
Ich habe Vieles erlebt und große und kleine Steine überwunden, die auf dem Weg lagen. Dadurch weiß ich: der Weg ist das Ziel und wir müssen nur eines: ihn gehen.
Es ist leichter, als Sie denken.
Habt Mut!